FINKELDEI

Wasser   Wolken   Wind

Kunsthalle Würth, Schwäbisch Hall

30. September 2016 bis 18. Juni 2017

Cool   Moon

Troner Art Consulting

Altestadt 10, Düsseldorf

Rahmen 900 2

Weiße Hyäne im Atelier

Der kranke Heine starrt auf die Gegensprechanlage. Eiger, Eiger, Eiger.

Preußen ohne preußisch Blau. Baumeister: Kommt mir nicht auf die Palette.

Und rechter Winkel geht gar nicht.

Aber das Bauhaus und diese praktischen Böcke.

Soll denn das Bild nicht rechtwinkelig sein? Wenn ja, darf man sich darauf beziehen?

Muß man? Nein? Ist die Bildmitte etwas Besonderes? Die Ecken sind wichtiger?

Gleich wichtig? Alles egal? Die große Leere. Egal?

Nimm Klebestreifen. Soft Engineering.

Van Eyck malt (!) eine Skizze während Cézanne seine Äpfel in einem

Plastikbeutel ins Atelier trägt

und Jünger in einer Blüte die Globalität beobachtet.

Da ist mir Ponge mit seinen kleinen Dingen lieber. Maikäfer flieg …

Noch einmal das Meer sehen und ein einfaches Leben führen. Tu‘ ich ja.

Die Grand Tour d’Atelier.

 Ade Corbusiers LC2. Ade Grays E.1027. Spanplattenhorizonte. Das ist romantisch.

Dieses Albtraumfutter. Diese grauenhafte Farbe. Stört mich nicht.

Grünes Gras braun malen? Geht doch.

Egal? Alles egal? Anything goes. Ganz und gar nicht.

Das schablonierte Sehen wird’s schon richten.

Der Frosch erkennt Vorbeifliegendes nur dann, wenn es eine bestimmte Form hat.

Sehen Sie. Welche Farben hat die Farbe?

Schlemihls Vase wirft keinen Schatten, nur Farbe.

In der Malerei gibt es keine Schatten, nur Farbe. Oh, wieder Platon.

Der hat die Malerei gehasst.

Das vererbt sich. Hier, Ihr Erbe, ein Plastikbesteck.

Bilder sind nur im Kopf. Ganz gleich, wodurch sie angeregt werden.

Sieben Milliarden Bilderproduzierköpfe im Dreisekundentakt, Tiere nicht mitgerechnet.

Sie haben ja Recht. Keine Blumen, bitte. Ich hasse Blumen.

Das Morgengrauen beginnt mit News und einer Erscheinung im Doppelfenster.

Eva lässt den Pfirsich liegen, und niemand kümmert sich um das zertretene Obst.

Na toll, dann kann ich ja anfangen zu malen.

Chardins Le panier de fraises des bois - wie sieht der denn aus?

Malschwamm, Friedhofsmüll, Sphärenmusik und Luftpolsterfolie - so sieht

das Leben eines Malers aus.

Der Engel ist ein Seifenengel. Das Licht am Ende des Tunnels ist der

Anfang des Tunnels.Hereinspaziert.

Wie gesagt, die Bilder sind im Kopf. Frag mich nicht wie, der Schwindel auch.

Aber dann auf der Leinwand bildet sich etwas

(nicht das im Kopf - das ist gar nicht so deutlich, tags nicht, nachts schon,

aber da schläft man ja) das den Horizont weit macht - wie Musik,

anachoretisch, unkommunikativ, aber weit. Ganz kleine Bilder, ganz einfach:

Farbton gemischt, Pinselstrich gesetzt, geprüft, konzentriert, ganz still, nur Farbe,

aber weiter: Der Verstand geht spazieren. Eiger.

Der große Berg und das Fenster nach innen. Kleine Formate, einfach, ohne dieses

So-muß-etwas-aussehen-wenn-es-überhaupt-wahrgenommen-werden-soll,

experimentell, keine Überwältigungsästhetik, keine Bauchgeschichten, aber

Malerei, nur Malerei.

Gesehenes, Beobachtbares, Unbeachtetes, Wertloses, aber Malerei.

Die Biographie eines Jahres. Ein Bild folgt dem anderen. Dann hakt es.

Die Wächter der Form und der Farbe sind eingenickt.

Mischreste, totgemalte Farben auf den Palettentellern verselbständigen sich,

wachsen zu Türmen, strecken sich zu Dreimetergräbern,

oszillieren zwischen Kriegsmatsch und moderner Befindlichkeit.

Farbschlamm, ohne den es kein Bild gegeben hätte, keine Nuance, kein

Genau-den-Ton, der es nicht zum Bild geschafft hat, dem es nicht vergönnt war,

in einer Form zu brillieren,

einem größeren Zusammenhang zu dienen, dazuzugehören.

Dieser übriggeblieben, erstarrte Farbmüll veranlasst Bilder,

die ganz große Themen berühren und doch Farbe bleiben.

Zwar auch erstarrte Farbe, der aber Dauer durch Form gegeben wurde.

Die Farbreste verschwinden - wie der Maler, wie das Bild Party is over.

BF 2011

 

Bildleiste5
 

Haar der Berenike - Notizen zu den Bildern 2006 - 2007         

Ein prächtiger Goldregen in vollem Sonnenlicht, gemalt mit Kadmiumgelb. 

Das Licht kommt von einem Stern. Das wunderbare Kadmiumgelb auch,

Sternenstaub, wie wir. Goldregen ist für den Menschen giftig, Kadmium nicht nur für ihn.

 Aber beides ist schön, nur für ihn.

Tiefe, dunkle, unregelmäßig ausgefranste Schattenlöcher, vom Licht abgewandt, ohne Licht gar nicht da.

Was wäre denn da, gäbe es kein Licht? Nichts? Wie in den millionen Lichtjahre ausgedehnten

Leerstellen im Weltraum? – Um das im Bild anzudeuten, müßte ich mein tiefstes Schwarz nehmen,

ungemischt. Titanweiße Kreisflächen, zwischen den Blüten und dem völligen Schwarz,

alle Farben enthaltend: Sternbilder, auffällige Lichtpunkte am nächtlichen Himmel.

Sie zeigen Erscheinungen und Zustände, die es nicht mehr gibt, zu Figuren gedeutet, von Leuten,

die es nicht mehr gibt; früheren Seefahrern bei der Navigation helfend.

Dem Betrachter holen sie die Nacht ins sonnenbeschienene Bild.

Werden die Sterne schwarz, negativ, komplementär, wird das Gelb zu Violett, Grün wird rot,

wie Glut oder Blut. Was passiert beim Betrachter? Ist das Blau eigentlich orange?

Ist das Weiß jetzt das Nichts, kein Licht mehr, das alles verschlingende Schwarze Loch?

Schwarz und Weiß, Nichts und Alles, dazwischen Inseln des Lebens, Gespinste, Knoten,

Nervenbahnen, Kapillare, Synapsen. Alles am Anfang ungeheuer zusammengepreßt in

absoluter Dunkelheit, jetzt für jeden Einzelnen im Kopf da, mehrfach gefiltert und transponiert.

Wieder transponiert - auf die Leinwand: Anschauung von Dingen, die nicht angeschaut werden können.

Fixiert in der Zeit für einen Wimpernschlag.

 

2007 BF

 

 

Zu zwei Werkgruppen ab 2002

Schnitte

Gegensätze - vermeintliche oder echte - auf allen Bildebenen - und deren Beziehungen und Verzahnungen untereinander sind neben anderen elementarer Bestandteil meiner bildnerischen Konzeption.

Die Bilder der Werkgruppe „Schnitte“ sollten harte und weiche, also scharfkantige, monochrome, konstruktivistische und malerische, duftige, organische Teile enthalten, aber auch ein aleatorisches Element. Die Zeichnung (Blumen, Figuren, Landschaft) auf Papier, die kleiner als die Leinwand ist, wird spontan in großen Schwüngen zerschnitten. Diese zerschnittene Skizze wird auf die Leinwand gelegt und die einzelnen Teile bis zum Leinwandrand auseinandergezogen und übertragen.

Zwischen den Teilen entsteht ein Geflecht aus unterschiedlich breiten Bahnen, das monochrom weiß oder farbig angelegt wird. Die zerschnittenen Teile werden locker und differenziert gemalt. Strenge, abgegrenzte Formen und lebhafte Bereiche verbinden sich, sind aber eindeutig zu identifizieren. Trotz der Schnitte ist das Motiv als Ganzes wahrnehmbar. Neben der Dynamik entsteht so eine starke Spannung.

 

Goldregen

In den Bildern dieser Werkgruppe werden Fotographien eines blühenden Goldregenstrauchs in vollem Sonnenlicht in Malerei übertragen. Die Blütenblätter folgen in ihrer Form der realen Vorgabe und doch sind sie primär Träger von Farbe und Licht. Die Blütendolden werden aus ihrem atmosphärischen Zusammenhang gelöst und mit monochromen Farbflächen verknüpft. Die Anordnung der schwarzen und weißen Farbkreise bezieht sich auf Sternzeichen und lassen an Nacht und Abwesenheit von Licht und Farbe denken.

BF 2004

 

 

Zu den Zeichnungen 1991 bis 1992

 

Jeder Strich steht für sich. Erkennbar allein. Berührt den Nachbarn nicht.

Beeinflußt ihn aber, auch die anderen und wird beeinflußt.

Die Lücken zwischen den Strichen behaupten sich

wie die Striche selbst, oft besser.

Die Strichstärke ist bedacht. Der Druck kann wechseln.

Fehlt ein Strich, wird die Lücke größer, vielleicht zu groß.

 

Spontan, ohne vorgezeichneten Weg, geht’s über die große Fläche,

entschloßen, keine Korrektur, zuweilen irritiert durch Spuren

und zum Ausweichen gezwungen.

 

Striche, die stolpern, zögern aussetzen oder -laufen, verblassen.

Andere ziehen unbeirrt ihren Weg, fast stur,

manchmal über den Rand hinaus.

Einige blähen sich, lassen keinen vorbei, sperren.

Ab und zu kriegen sie die Kurve und stoppen abrupt.

 

Striche ziehen durch ein farbiges Feld wie ein mehrschariger Pflug

und wühlen es um.

Andere werden aufgehalten durch breit Farbbahnen,

springen über sie hinweg, tauchen unter ihnen durch,

die Richtung beibehaltend.

Viele bündeln sich und bilden ein Geflecht, dunkel und bedrohlich.

Daneben verblaßt alles.

Andere, Gespinste, sind wie ein schwebender Rochen im Wasser.

 

Linien verdrehen sich zu Lilien, ziehen weiter als Horizont.

Parallel und diagonal bedrängen sie ein Kohlepflänzchen,

selbst auch Staub.

Dann und wann macht die Farbe dem Staub Platz, läßt ihm den Vortritt.

Das Graue gegen das Farbige.

Der Staub bedeckt nur die Kuppen. Die Farbe ist auch in den Tälern.

Und häufig Wasserfarbbahnen, gelb, die Giftfarbe;

ach, die schönen Lilien, weiß

Aus Kohlestaub dazwischen. Das mächtige Blau, ob’s hilft?

 

BF 1994

 

 

Zu den Landschaftsbilder 1990

Bildnerische Ironie

Das Einzelne im Gesamtzusammenhang

Entwickelt haben sich die Landschaften aus Bilder, die in den 70er Jahren entstanden sind: Zange, Landkarte, Absatz. Bilder, auf denen Gegenstände und Hintergrund zu sehen sind. Um diesem Hintergrund mehr Komplexität zu geben und ihn den Gegenständen (Motiv) gegenüber aufzuwerten und somit einen reicheren Form- und Bedeutungszusammenhang zu erhalten, habe ich ihn mit Landschaftschiffren besetzt. Durch die zum Teil extreme Draufsicht wirken die Gegenstände (Aschestückchen, Papierwinkel, Lötkolben, Pinselstrich, Hummel) groß und nah, die Landschaft erscheint weit und tief. Dadurch kommen Dinge nebeneinander, die das gewöhnlich nicht tun, und die man nicht gleichzeitig scharf sehen kann. So ergeben sich  neue Sinnzusammenhänge.

 

Das Phänomen, das sich ergibt, wenn zwei Farbflächen auf der Leinwand aneinanderstoßen, wie sie aufeinander reagieren, wie sie sich durch die jeweils andere verändern; welche Möglichkeiten es gibt, sie zu verzahnen, sie weich zu vermalen, harte Grenzen entstehen zu lassen, das hat mich bei allen Bildern interessiert. In der Situation - Dinge ganz groß direkt neben ganz kleinen Dingen -wird dieses Phänomen noch verstärkt. Was geschieht an den Grenzen und Kanten? Wie kann diese Situation im Duktus, in den Bezügen der Farben und der Formen so bearbeitet werden, dass ein Spannungsgeflecht ohne Über- akzentuierungen, ohne Wegsacken, ohne Flauheit entsteht? Ein Spannungsgeflecht, in dem eine kräftige Farbe einen bedeutungsschwächeren, eine starke Form einen weichen, diffusen Gegenstand unterstützt mit dem Ziel, eines all-over, eines gleichmäßigen, schwingenden Nebeneinanders.

BF 1990

 

 

 

Bilder wie Netze,

wie Spinnennetze in der Morgensonne:

Übersät mit Beute, voller Risse und fransiger Löcher.

Aufgerissene Strukturen

Insekten, verwickelt und verspannt,

mit durchscheinenden Flügeln,

kaum noch zu erkennen.

Verknotungen wechseln mit umspannten Flächen.

An den Rändern das Ganze festgemacht.

Tautropfen sammeln Licht.

Zonen liegen im Schatten,

geometrischen Formen angenähert,

dazwischen leuchten helle, unregelmäßige Flecken.

Flächig, voller Reflexe und Verzahnungen.

Zarte Schwingungen der Farben untereinander.

Der Bagger am Horizont erscheint winzig neben

dem leeren Nachtfalter.

Ein Blütenblättchen fast so groß wie ein ganzes Netz.

BF 1981

 

Rahmen 900 2

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